Auf dem Nachhauseweg von der Schule im Stadtpark ausgetragene »eigene Partisanenkämpfe«; eine Mutter, die von ihrer Familiengeschichte erfährt, indem sie den emotionalen Gesprächen zwischen Großmutter und Enkelin lauscht; lebenslange unerklärliche Ängste vor dunklen Wäldern und Militäraufmärschen – innerhalb der Familien von Opfern des Nationalsozialismus entstanden nicht selten besondere Dynamiken, wobei der verschwiegene Anteil der Familienvergangenheit, Identifikationen und tradierte »Familienmythen« eine besondere Rolle spielten.
Ausgehend von den berührenden Geschichten der Großeltern, den unmittelbaren Opfern des Nationalsozialismus, erscheinen vorher vernebelte Sequenzen der Biographien der Eltern klarer. Konzepte oder Figuren, die sich ins Leben der ersten Generation eingebrannt haben, finden sich im Unbewussten ihrer Enkel wieder – die ihrerseits neue Wege suchen, damit umzugehen.
Das vorliegende Buch behandelt mit besonderem Fokus auf die transgenerationale Weitergabe von Traumata drei Generationen von Kärntner SlowenInnen und ihren Zugang zu den einschneidenden Ereignissen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Josef, Ludmila und Anna, die Generation der Achtzigjährigen, allesamt im April 1942 mit ihren Familien von Haus und Hof vertrieben, erzählen von der Gewalt, der sie als Slowenen ausgesetzt waren.
Beatrix, Majda und Natalija aus der nächsten Generation der rund Fünfzigjährigen, die noch sehr stark und teils auch schmerzhaft mit der Leidensgeschichte ihrer Eltern verbunden sind, erzählen davon, wie diese Familiengeschichte in ihrer Generation fortgewirkt hat.
Peter, Rafaela und Milan aus der jüngsten Generation der Zwanzigjährigen schließlich erzählen, wie die Familienvergangenheit ein fixer Bestandteil ihrer Identität geworden ist, den sie nicht loswerden wollen, der aber andererseits auf die eine oder andere Art und Weise ihr Alltagsleben belastet. Trotz alledem wollen alle die slowenische Sprache ihren Nachkommen weitergeben.

Das Trauma des Nationalsozialismus im Leben dreier Generationen von Kärntner SlowenInnen

Daniel Wutti ist als Kärntner Slowene selbst Angehöriger der »dritten Generation« und nutzte seine »unmittelbare Betroffenheit« für einen gemeinsamen Verständnishintergrund mit seinen InterviewpartnerInnen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Sozialpsychologie, Ethnopsychoanalyse und Psychotraumatologie an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt/Celovec.